- Cerebrale CT-Perfusion
- MRT: Diffusions- und Perfusionsbildgebung
Cerebrale CT-Perfusion
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen. Jährlich erleiden etwa 20.000 Österreicher erstmals einen Schlaganfall (das bedeutet ein Schlaganfall alle 6 Minuten!), 8 von 1.000 Presonen leiden an den Folgen eines Schlaganfalls. Somit ist der Schlaganfall die häufigste Ursache für eine schwere Behinderung im Erwachsenenalter.
Entscheidend für die Prognose und das klinische Outcome ist eine rasche und sichere Diagnose zur Einleitung einer effizienten Therapie („time is brain“). Neben der Kernspintomographie ist beim akuten Schlaganfall nach wie vor die Computertomographie (CT) häufig die erste Untersuchungsmodalität, nicht zuletzt auf Grund der ständigen Verfügbarkeit und der kurzen Untersuchungsdauer (oft unruhige Patienten und problematische Lagerung!).
Mit der CT-Untersuchung ist ein sicherer Ausschluss einer Hirnblutung möglich, die in etwa 20% für das akute Schlaganfallsereignis verantwortlich ist. Die übrigen 80% aller Schlaganfälle werden durch einen Hirninfarkt, also eine akute Durchblutungsstörung des Gehirnes, verursacht. Die Diagnose eines frischen Hirninfarktes ist besonders innerhalb der ersten 3 Stunden nach Beginn der Symptomatik comutertmographisch problematisch, da hier, wenn überhaupt, nur sehr diskrete Frühzeichen vorliegen (Sensitivität < 50%). Moderne Therapiestrategien aber, insbesondere die systemische Lyse (Auflösen der Blutgerinnsel), setzen allerdings einen möglichst raschen Therapiebeginn innerhalb von 3 Stunden nach Symptombeginn, voraus.
Mit unserem CT-Gerät steht dafür nun die sogenannte „cerebrale CT-Perfusion“ zur Verfügung, mit der Hirnareale mit gestörter Durchblutung sofort, also vor Ausbildung der im Nativ-CT erkennbaren Veränderungen, diagnostiziert werden können.
Methodik
Im Anschluss an eine CT-Untersuchung ohne intravenöse Kontrastmittelapplikation (Nativ-CT) zum Blutungsausschluss wird die CT-Perfusionsuntersuchung angeschlossen (kein Umlagern der Patienten!).
Dabei wird intravenöses Kontrastmittel verabreicht und der Verlauf des Kontrastmitteldurchflusses durch das Gehirnparenchym aufgenommen. Die Daten werden an eine spezielle Computerkonsole weitergeleitet, an der farbig kodierte Bilder des Gehirns errechnet werden, die bestimmte Durchblutungsparameter (cerebraler Blutfluss, cerebrales Blutvolumen und mittlere Transitzeit) widerspiegeln.

Abb. 1: unauffälliger Befund mit regelrechter und
symmetrischer Hirndurchblutung
Liegen nun minderdurchblutete Hirnareale vor, sind diese quasi mit einem Blick erkennbar. Die gesamte Untersuchungsdauer liegt dabei unter 5 Minuten!

Abb. 2: Pat. mit akutem Schlaganfall,
im Nativ-CT noch kein Nachweis möglich

Abb. 3: selber. Pat. wie Abb. 2; eindeutiger
Perfusionsausfall im Schläfenlappen links

Abb. 4: selber Pat., Nativ-CT-Ko einen Tag später:
Infarktdemarkierung deckt sich mit Areal des Perfusionsausfalles!
Mit der CT-Perfusion kann in einem Untersuchungsgang eine 32 mm dicke Schicht untersucht werden. Die Untersuchungsebene wird dabei so gewählt, dass die drei großen Gefäßversorgungsareale des Gehirns abgebildet werden. Große Durchblutungsausfälle können dabei sicher erkannt werden. Wichtig ist eine möglichst genaue räumliche Eingrenzung des geschädigten Hirnareals durch den Neurologen, um die Untersuchung entsprechend planen zu können. Kleinere Durchblutungsausfälle können außerhalb der untersuchten Schichten liegen, die Untersuchung kann aber unmittelbar in einer anderen Ebene des Gehirnes wiederholt werden, um größere Bereiche abzudecken.
Indikationen
- Akuter Schlaganfall (wenn eine Hirnblutung mit Nativ-CT ausgeschlossen wurde und eine Lysetherapie indiziert ist)
- Bei unklarer Klinik zum Nachweis bzw. Ausschluss eines Infarktes.
Kontraindikationen
- Schwere Kontrastmittelallergie
- Manifeste Hyperthyreose
Die cerebrale CT-Perfusionsuntersuchung ist eine rasch durchzuführende hochspezifische Untersuchung und stellt eine wesentliche Erweiterung unseres diagnostischen Spektrums in der primären Schlaganfallsdiagnostik dar, welche dem Neurologen wertvolle Entscheidungshilfen für die weitere Therapie liefert.
MRT: Diffusions- und Perfusionsbildgebung bei der Schlaganfallsdiagnostik
Die Akutdiagnostik des ischämischen Schlaganfalls in der MRT umfasst neben den Standardwichtungen die Diffusions- und Perfusionswichtung.
In der Diffusionswichtung können im Gegensatz zur CT bereits nach wenigen Minuten ischämische (= durch verminderte Durchblutung bedingte) Veränderungen diagnostiziert werden. Die Perfusionswichtung stellt, ähnlich wie bei der CT-Perfusion, die Gehirndurchblutung dar. Es kann jeweils das gesamte Gehirn bei der Untersuchung erfasst werden. Durch Vergleich der beiden Wichtungen kann vom Radiologen erkannt werden, ob eine sog. Penumbra (= mismatch, „tissue at risk“), das ist Gehirngewebe, welches von einer Lysetherapie profitieren würde, vorliegt, und ob eine solche Behandlung zur Auflösung von Gerinnsel sinnvoll ist.
Auch Gehirnblutungen, welche ebenfalls eine Schlaganfallssymptomatik verursachen und einen Ausschlussgrund für eine thrombolytische Therapie darstellen, können mittels MRT nachgewiesen bzw. ausgeschlossen werden.
In selber Untersuchung ist es auch möglich mittels der MR-Angiographie Gefäßstenosen (= Verengungen) und –verschlüsse darzustellen und so eine Entscheidungshilfe für die Akuttherapie die geben.

Diffusionsbild mit Demarkation eines Teilinfarktes am Stromgebiet der Arteria cerebri anterior links.

Korrelierendes Perfusionsbild mit Perfusionsausfall am kompletten Stromgebiet der Arteria cerebri anterior links - Mismatch.

Intracranielle arterielle time-of-flight-Angiographie: Verschluss der Arteria cerebri anterior links (Pfeil).