Psychosomatischen Beschwerden (Bauch- und Kopfschmerzen vor der Schule) sowie auffälliges Verhalten in der Schule (z.B. ständiges Herumkaspern) können erste Anzeichen einer Legasthenie sein (als sogenannte Begleit-Symptomatik).
Doch wie sieht die spezifische Symptomatik nun im Speziellen aus? Darüber und über Screening-Verfahren (pdf-File, 11,6 KB) für die Schule sollen die folgenden Absätze informieren. Werden Anzeichen einer Legasthenie beobachtet, sollte eine professionelle Diagnostik veranlasst werden.

Symptomatik der Rechtschreibstörung:
Am Beginn der Einschulung fällt es den Kindern besonders schwer, die einzelnen Buchstaben zu erlernen, zu unterscheiden und die Verbindung zum jeweiligen Laut herzustellen (mangelhafte Graphem-Phonem-Zuordnung). In dieser Phase können die Kinder nur mangelhaft erkennen, aus welchen Lauten ein Wort besteht. Das führt dazu, dass nur ein Teil der Laute eines Wortes wiedergegeben werden kann oder die Lautfolge falsch wiedergegeben wird.
Typische Fehler im frühen Rechtschreiberwerb:
In einem späteren Stadium passiert es dann immer wieder, dass beim Schreiben der Wörter einzelne Buchstaben ausgelassen werden oder ähnlich klingende Buchstaben (d/t, g/k, b/p) verwechselt werden.
In einer frühen Phase des Schriftspracherwerbs ist es normal, dass sich Kinder auf die lautgetreue Schreibung verlassen, d.h. dass sie Wörter genau so aufschreiben, wie sie diese hören (
alphabetisches Stadium des Rechtschreiberwerbs). Allerdings sollten schon im Laufe des ersten Schuljahres erste orthographische Rechtschreibregeln erlernt werden. Das betrifft z.B. die Schreibung von Endungen wie ‚-el’ in Apfel (eigentlich als ‚Apfl’ ausgesprochen) oder ‚-en’ in essen (eigentlich als ‚essn’ ausgesprochen). Diese orthographischen Regeln (z.B. Dehnung, Verdoppelung, stummes h) spielen für die Rechtschreibung eine entscheidende Rolle. Dementsprechend werden diese Konventionen ab der 2. Klasse Volksschule auch vermehrt geübt.
Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche kann es besonders schwer fallen, diese orthographischen Regeln zu erfassen. Typische Fehler in dieser Phase könnten die folgende Form haben:
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Spiel => Schbil
Blatt => blat
vor => for
Hund => Hunt
bekannt => bekant |
Kinder mit Lese-/Rechtschreibschwäche neigen dazu, geübte Wörter schnell wieder zu vergessen oder inkonsistent zu schreiben (manchmal richtig und manchmal falsch). Einige Kinder mit Legasthenie haben auch eine schlecht leserliche Schrift. In einem noch späteren Stadium zeigen legasthene Kinder dann vermehrt Regelfehler und Probleme mit der Groß-/Kleinschreibung. All diese Schwierigkeiten führen dazu, dass es bei ungeübten Diktaten, aber auch beim Abschreiben von der Tafel, zu vielen Fehlern kommt. Das führt häufig dazu, dass die Motivation der Schüler, Wörter oder Texte zu schreiben, stark nachlässt.
Symptomatik der Lesestörung:
Erste Schwierigkeiten können darin bestehen, dass Buchstaben nicht der entsprechende Laut zugeordnet werden kann bzw. die Buchstaben nicht sicher identifiziert werden können. Den betroffenen Kindern fällt es schwer, die einzelnen Laute zu einem Wortklangbild zu verbinden. Häufig kommt es auch zur Umstellung von Buchstaben im Wort oder von Wortteilen. Schon erlernte Wortbilder werden schnell wieder vergessen und die Lesegeschwindigkeit ist im Allgemeinen niedrig.
All diese Schwierigkeiten erschweren das Lesen so stark, dass in weiterer Folge auch das Lesesinnverständnis betroffen ist und der Inhalt von Sätzen oder Texten nur unzureichend wiedergegeben werden kann. In einer späteren Phase ist eine Lesestörung durch häufiges Verlesen charakterisiert, was vor allem bei längeren Wörtern auffällig wird. In manchen Fällen ist das Lesen langsam und stockend und von einer monotonen Satzmelodie und mangelnder Sinnentnahme gekennzeichnet.
Es gibt jedoch auch Kinder mit Legasthenie, die sehr rasch lesen. Meistens sind dies Kinder, die über ein relativ gutes Lesesinnverständnis verfügen und versuchen, mit Hilfe des Inhalts des Textes die schwierigen Wörter zu erraten. Kinder mit einer Lesestörung haben weitere charakteristische Probleme: Sie zögern lange beim Lesen, verlieren häufiger die Zeile, lassen Wortendungen oder ganze Wörter aus. Mit der Zeit führen diese Schwierigkeiten zu einer deutlichen Abneigung gegen das Lesen.
Vor allem für den schulischen Bereich gibt es auch eine Reihe von einfach durchführbaren Screening-Verfahren, die dabei helfen können, gefährdete oder betroffene Schüler zu identifizieren. Eine Liste solcher Verfahren finden sie hier.
Begleit-Symptomatik der Legasthenie:
Die Legasthenie-Problematik kann auch das Verhalten der Kinder beeinflussen. Diese Auffälligkeiten reichen von unvollständigen/fehlenden Hausübung über auffälliges Verhalten bis hin zu Traurigkeit und Zurückgezogenheit. Die Kinder entwickeln eine Abneigung gegen Lesen und Schreiben und es kommt häufig zu Konfliktsituationen beim Erledigen der Hausübungen. Die Lese-Rechtschreibschwäche kann auch negative Auswirkungen auf andere Fächer haben, da das Lesen eine wichtige Grundlage für den weiteren Wissenserwerb darstellt. Dies kann sogar soweit führen, dass Kinder mit einer Legasthenie als dumm betrachtet werden, obwohl sie über eine ganz normale allgemeine Begabung verfügen. Es ist verständlich, dass eine derartig schwierige Situation auch zu weiteren psycho-sozialen Problemen führen kann.