Auf diesen Seiten sollen folgende Fragen beantwortet werden:
Was kann ich als Lehrer für ein legasthenes Kind tun?
Zunächst ist es wichtig, die Diagnose ernst zu nehmen. Sollte noch keine Diagnose gestellt worden sein und Sie sind unsicher, ob bei dem betreffenden Kind eine Legasthenie oder eine andere Lernstörung besteht, dann versuchen Sie in einem Gespräch die Eltern zu einer differenzierten Untersuchung des Kindes zu motivieren. Dass ist insofern von enormer Bedeutung, da die Förderung für ein Kind leichter individuell abzustimmen ist, wenn ein genaues Profil der Stärken und Schwächen eines Schülers vorliegt.
Für die Motivation des Schülers ist es wichtig, die individuellen Leistungsfortschritte zu beachten. Vermeiden Sie, das Kind laut vorlesen oder an der Tafel schreiben zu lassen. Dies führt zu unnötigen Stressreaktionen beim Kind, es fühlt sich bloß gestellt, ist verunsichert und seine Frustration wird steigen. Versuchen Sie vielmehr, die Stärken des legasthenen Kindes zu beachten und auch zu fördern.
Hinzuzufügen ist, dass der Erstleseunterricht möglichst motivierend, z.B. ausgehend vom Namen des Kindes, ablaufen sollte. Kurze lustige Gedichte und attraktive Kinderbücher mit ansprechenden Bildern, großer Schrift und wenigen, gelegentlich wiederkehrenden Textstellen tragen dazu bei, die Lesemotivation und Lesefreude der Kinder zu erhöhen.
Ständige Misserfolge nehmen rasch die Motivation. Erkennen und loben Sie auch kleine Fortschritte und das Bemühen des Schülers. Kommentare unter einer Schularbeit oder einem Test wie z.B. „du machst immer noch zu viele Fehler“, „zeig nächstes Mal mehr Bemühen“, „mehr üben...“ sollten vermieden werden. Geben Sie dem Kind positive Kommentare zu seinen Arbeiten. Positive Verstärkung und Motivation ist sehr wichtig. Legasthene Kinder erhalten oft zu wenig davon.
Gerade in der Sekundarstufe bietet sich der Einsatz moderner Unterrichtsmedien an, beispielsweise erleichtert das Verwenden moderner Textverarbeitungsprogramme das Verfassen von Texten (Einsatz der Rechtschreibüberprüfung) für den betroffenen Schüler.
Was kann ich tun, wenn ich bei einem Schüler eine Legasthenie vermute?
Holen Sie sich Hilfestellung durch Ihr regionales SPZ (differenzierte Abklärung, Erstellung von Förderkonzepten, Organisation eines Beraterteams, Durchführung von Helferkonferenzen, Beratung des Klassenlehrers). Auch Lernwerkstätten bieten spezifische Unterrichtsmaterialien an.
Nutzen Sie die Möglichkeit von diversen Screeningverfahren zur ersten orientierenden Einschätzung. Als Pädagoge sind Sie eine wichtige Schlüsselstelle für die weitere Abklärung und Förderung des betroffenen Schülers.
In schwerwiegenden Fällen empfehlen Sie den Eltern eine differenzierte Abklärung (Diagnostik).
Wie können unterrichtsspezifische Hilfen aussehen?
Nutzen Sie als Lehrer die Möglichkeit der inneren Differenzierung im Unterricht. (Nutzung des geltenden Rahmenlehrplans, Möglichkeiten des Förderunterrichts, Erweiterung der Grundstufe I auf drei Lernjahre, Angebote durch offenes Lernen, Einbeziehung reformpädagogischer Ansätze).
Der Landesschulrat für OÖ sieht ein Stufenmodell zur Förderung betroffener Schüler vor (Modell zur schulischen Förderung von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwäche). Als Lehrer sind Sie zu einer Individualisierung des Unterrichts verpflichtet. Hilfsmaßnahmen können sein, dem legasthenen Kind mehr Zeit zur Bearbeitung schriftlicher Arbeiten zu gewähren oder dem Kind vermehrt Möglichkeiten zur mündlichen Leistungserbringung zu geben (Leistungsbeurteilung bei Legasthenie).
Durch Teamteaching und pädagogische Konferenzen können die Auswirkungen einer Legasthenie gemindert und die Ausbildung massiver Lernblockaden verhindert werden.
Einsatz von Lese-Rechtschreibprogrammen im Unterricht?
Nur Förderprogramme, die konkret an der jeweiligen Lese- und Rechtschreibschwierigkeit eines Kindes ansetzen, erwiesen sich als wirksam. Nutzen Sie die Möglichkeit der Aus- und Weiterbildung im Bereich Legasthenie und erhöhen Sie damit auch Ihre diagnostische und methodisch-didaktische Kompetenz.
Grundsätze und Teile einzelner Programme (z.B. Kieler Leseaufbau) können auch im Unterricht genutzt und verwendet werden. Auch nicht legasthene Kinder können profitieren. Wichtig bei der Förderung ist, die Basisfertigkeiten gut zu beherrschen. Beherrscht ein Kind etwa die Phonem/Graphem-Zuordnung noch unzureichend, macht es wenig Sinn, die Regeln der Dopplung zu üben.
Bei schweren Fällen von Legasthenie ist mit den Eltern unbedingt die externe Förderung durch ausgebildete Lese-Rechtschreibtherapeuten zu empfehlen. Auch wenn Lesen/Schreiben lehren und lernen im Bereich der Schule angesiedelt ist, ist nicht zu vergessen, dass Sie als Lehrer auch noch andere Schüler mit ihren individuellen Stärken und Schwächen zu betreuen haben und dem individualisierten Unterricht Grenzen gesetzt sind.
Suchen Sie daher den Kontakt mit den Eltern und versuchen Sie, gemeinsam ein für das Kind geeignetes individualisiertes Förderkonzept zu entwerfen.