Sunday 5. February 2012

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Notfallmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz


Seit geraumer Zeit wird die innerklinische Notfallmedizin von der Internen Abteilung betrieben, die aus dem Team der Internen Intensivstation ein Herzalarmteam stellt. Aus diesem heraus kristallisierte sich in den letzten Jahren ein wachsender Bereich Notfallmedizin mit Trainings und Workshops, Fortbildungen zu einschlägigen Themen, wobei man schließlich auch begann die präklinische Notfallmedizin zu entdecken.


Mit der Installation eines eigenen Notarztteams (NEF 3) in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter Samariterbund im April 2003 wurde hierfür der Grundstein gelegt. Seither werden in einem bundesweit einzigartigen System mit der interdisziplinären Besetzung eines Notarztteams aus drei Fachgebieten dreier Krankenhäuser jährlich um die 1800 Einsätze absolviert. Durch die enge Kooperation von Anästhesisten, Unfallchirurgen und Internisten konnte in diesem Team vor allem auf der Basis von Fortbildungen ein hoher Grad an Kompetenz in allen wesentlichen Teilbereichen der präklinischen Notfallmedizin erreicht werden.

Im innerklinischen Bereich besteht ein standardisiertes Trainingsprogramm in medizinischen Belangen, das auf den Ausbildungsstand aller Berufsgruppen abgestimmt ist, wobei sämtliche Trainer nach ERC Guidelines ausgebildet und zertifiziert sind. Als jüngstes Projekt ging kürzlich die Installierung von AED`s in Teilbereichen des Hauses und die Schulung der betroffenen Mitarbeiter über die Bühne.
An der Internen Intensivstation mit den Schwerpunkten Reanimation, Beatmung und extracorporale Verfahren gilt ein wesentliches Interesse den Überlebenden cardiopulmonaler Reanimation. In engem Kontakt mit der Klinik für Notfallmedizin der Universität Wien wurde 2002 begonnen, intravasales Cooling als cerebroprotektive Maßnahme in dieser Patientengruppe einzusetzen (Therapeutic hypothermia after cardiac arrest Popp E, Sterz F, Bottiger BW Anaesthesist. 2005 Feb;54(2):96-106)
Das Coolgard System der Fa. Alsius funktioniert nach dem Prinzip eines simplen Kühlschrankes mit Wasserpumpe:

 
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Über einen inguinal eingebrachten Katheter, der in der V. cava inferior zu liegen kommt und der mit Eiswasser (NaCl 4 Grad Celsius) gespült wird, kann der Patient mit einer max. Kühlrate von 1,2 Grad/h abgekühlt werden. 33 Grad Körpertemperatur, gemessen mittels Blasensonde für 24 Stunden, dann Wiedererwärmung über 8 Stunden und all das in Allgemeinnarkose mit kontinuierlicher Relaxation sind die Eckpfeiler des Behandlungs-protokolls. Nach 48 Stunden beginnt die Evaluierung der cerebralen Leistungsfähigkeit mittels einem 24-teiligen Algorythmus, der anamnest. Faktoren wie klinische Parameter, Reflexe u.ä und auch diagnostische Verfahren wie EEG, CCT, Labor umfasst. (Brain arrest neurological outcome scale (BrANOS): predicting mortality and severe disability following cardiac arrest.Torbey MT, Geocadin R, Bhardwaj A. Resuscitation. 2004 Oct;63(1):55-63)

Um multizentrische Daten zur Erfolgskontrolle sammeln zu können, fließen alle Patienten in die HACAR Registry des ERC ein.
In Fortführung dieser Maßnahme ist eine wesentliche Bemühung der OÖ Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin (OGNK) mit Sitz an unserem Haus, schon präklinisch mit der Abkühlung zu beginnen. Zwei Liter gekühlte Infusion am Weg ins Krankenhaus können die Körpertemperatur unter 35 Grad senken und so helfen, das neurologische Outcome wesentlich zu verbessern und den Patienten vor einem bleibenden Cerebralschaden zu bewahren. (Cold simple intravenous infusions preceding special endovascular cooling for faster induction of mild hypothermia after cardiac arrest-a feasibility study. Kliegel A, Losert H, Sterz F, Kliegel M, Holzer M, Uray T, Domanovits H.
Resuscitation. 2005 Mar;64(3):347-51.)

Als Zukunftsperspektive zeichnet sich einerseits eine klinische Studie eines neuen Kühlsystems ab, wobei eine Kühlhaube kontinuierlich mit Eiswasser gespült werden wird und so ein noninvasives Verfahren zur Verfügung stehen würde, sowie die bahnbrechende Idee der „suspended animation“, die sich aber noch im tierexperimentellen Stadium befindet. Dabei wird der Patient noch im Kreislaufstillstand binnen einer Minute mittels komprimiertem Gas abgekühlt und erst im Krankenhaus während der Wiedererwärmung reanimiert. Ob dadurch tatsächlich Laienreanimation und Notarzt obsolet und dennoch das Outcome verbessert werden können, wird man sehen.

OA Dr. Fritz Firlinger

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